In 80 Tagen zum perfekten bauch

Wiener - privattraining – mai 1998

Die Maschine heißt Pulse Star Bauchpresse und steht im Fitnessstudio Heimlich in Wien 3.

Das von einigen Gewichten erschwerte Auf- und – ab Spiel ist von der monotonen Art. Das heißt, wenn man es lang genug durchhält, wird es monoton. Fitness-Experte Andreas Heimlich fantasiert dabei Etappen zu je fünf Minuten – es sei denn, man sei atemlos. Nach zehn Sekunden war ich also atemlos. Ich hatte nicht mal Zeit, ins Schwitzen zu geraten.

Der fehlende Atem und das im Techno –Takt ratternde Herz sind an sich kein Problem. Schlimmer ist der Schwindel im Kopf, mit dem die Ohnmacht aus der Ferne grüßt und die Hustenanfälle. Die sind kein Brösel.

Angenehm sind nur die Pausen. Man kann sich umsehen. Auf den Laufmaschinen sine ein paar Girls unterwegs. Was heißt unterwegs, sie rennen zwar drauflos, aber natürlich kommen sie nicht von der Stelle. Wie das eben ist im Fitnessstudio. Da geht es nicht um die Bewältigung einer Strecke von A nach B. Bei uns, sagt Mister Heimlich, ist der Weg das Ziel. Aber davon später.

Der Zweck der Übung. Die Frage ist, was einer, der ungern schwitzt, an so einem Ort zu suchen hat. Schwer zu sagen. Tatsächlich ergibt sich die richtige Antwort erst aus den Dementis. Es geht hier nicht um Fitness. Zwar reicht mir üblicherweise schon der Anblick einer Treppe zur restlosen Erschöpfung, aber dieser Umstand allen wäre nicht Motivation genug. Ebenso wenig geht es um den gesunden Geist, der angeblich einem gesunden Körper erwächst und auch die postfeministische Erklärung der Soziologen. wonach die steigende soziale und wirtschaftliche Gleichberechtigung der Frau beim Mann die Sehnsucht nach verstärkter körperlicher Überlegenheit hervorruft, ist hier fehl am Platz. Tatsächlich geht es hier nur um eines: Ich will einen geilen Bauch. Einen Waschbrett-Bauch oder Six-Pack, wie die Briten sagen.

Ganz unabhängig von Frauen ist dieser Wunsch natürlich nicht. Im Wesentlichen hat das mit dem unglücklichen Zusammenprall zweier Faktoren zu tun. Einerseits ist es nicht mehr weit bis zur Badehosenzeit und dann helfen keine Ausreden mehr. Anderseits flatterte unlängst eine Hiobs-Umfrage auf den Redaktionstisch. Demnach steht ein männliches Six-Pack in der weiblichen Hitliste ganz oben. In Zukunft, so heißt es, wir der alte Trick mit dem um den Finger gedrehten Autoschlüssel nicht mehr ziehen. Wenn Sie diesen Sommer ohne Waschbrett daherkommen, können Sie sich bestenfalls brausen.

Schuld sind natürlich so bauchmuskulöse Kurzweiler wie Brad Pitt & Co. Rätselhaft, warum Frauen heutzutage auf so was abfahren. Ein Sean Connery kam auch in seiner besten Zeit ohne Six-Pack aus. Für einen Mann wie Jack Nicholson war Fett nie ein Problem. Aber bitte, Jack ist die Ausnahme. Wir dagegen, die Männer von nebenan, sind die Regel.

Die gute Nachricht ist, dass es machbar ist. Jeder Mann, egal wie fett und wie alt er ist, kann den Schwimmreifen in ein Waschbrett verwandeln. Unter Umständen sogar noch diesen Sommer. Die Umstände sind schnell eruiert. Legen Sie sich die Hand auf den Bauch und klammern sie mit den Fingern die Weichstelle zwischen Nabel und Gürtellinie ab. Wenn Sie weder ein Athlet noch ein genetisches Glückskind sind, wir Ihnen dieses Tun weder ein angenehmes noch ein befriedigendes Gefühl bescheren. Es ist viel wahrscheinlicher, dass Ihr Denkapparat dabei von einer Mischung aus apathischen Schuldgefühlen und Selbstekel durchflutet wird.

Bauch – Kultur. Könnte einem Mann mit Pitt-Bauch natürlich nicht passieren. Tatsache ist, dass sich der männliche Bauch im letzten Jahrzehnt zu einem sichtbaren Teil unserer Kultur mauserte. Der Anblick einer muskulösen Nabelgegend ruft heutzutage vermehrt so unangenehme Gefühle wie Neid, Unsicherheit und Sehnsucht wach – also Reaktionen, wie sie etwa die Massenwerbung provoziert, um uns jene Sachen anzudrehen, die wir sonst nicht kaufen würden. Das ist die Lage: Der Six-Pack ist nicht mehr länger ein platonisches Ideal. Er ist ein demokratisches Grundrecht. Jeder kann einen haben. Aber wie komm ich dazu?

Der Haken. Die Theorie dazu hört sich einfach an. Alles was du brauchst, meint Mr. Heimlich, ist Disziplin. Das ist der Haken dabei. Tatsache ist, dass wir vom Prinzip her im Widerspruch zu Mr. Heimlich stehen. Der Weg ist nicht das Ziel. Vielmehr ist das Ziel der Waschbrett- Bauch.

Er empfiehlt sich daher eine Analyse des Ist-Zustands. Mittels eines Fett-Messgeräts ist der Fettgehalt in der fraglichen Körpergegend schnell festgestellt sowie die Antwort auf eine wesentliche Frage gefunden: Wer mehr als 20 Prozent dieses unnützen Ballasts mit sich herumschleppt, kann sich die Fantasie eines Waschbrett-Sommers gleich abschminken. Wer unter 15 Prozent liegt, hat noch Chancen.

Der aktive Teil der Strategie besteht aus einem relativ bekannten Zweierweg-richtige Ernährung, kombiniert mit banalen Bauchübungen, die täglich nicht mehr als knapp 30 Minuten brauchen. Mehr brauchst du nicht, um nach knapp drei Monaten auf das T-Shirt zur Badehose verzichten zu können. Das eine Problem dabei ist eigentlich nur. dass die Betonung auf täglich liegt.

Mönchisches Leben. Das andere Problem ist auch nicht ohne: „kein Zucker, kein Alkohol“, meint Ms.Heimlich kategorisch. Damit ist einerseits klar, “dass ich mir wenig Freunde machen werde“. Anderseits geht es hier um das Waschbrett. Den Sommerspaß. Die Girls. Die Frage ist, ob einem das zwei Monate Abstinenz wert ist. Wenn nein, ist die Sache hiermit erledigt.

Leider sprechen wir hier tatsächlich nicht von essen, was an sich vergnüglich ist, sondern von Ernährung. Von so Sachen wie Obst und Gemüse. Der Lichtblick: Unter Umständen reicht bei halbwegs sportlichen Männern bereits die durch gesunde Ernährung erlangte Fettreduktion, um die Muskeln darunter transparent zu machen. Der Nachteil der Umstellung liegt in sozialen Bereich. Heimlich: „Ein gesunder Ernährer ist weniger gemütlich. Freunde reagieren oft mit schlechten Gewissen, wenn sie sehen, dass ihr Haberer sich plötzlich zusammenreißt.“ Das Leben ist mitunter hart.

Zum Schweiß. Der hält sich erfreulicherweise in Grenzen. Noch erfreulicher ist, dass täglich 20 Minuten reichen – bzw. 40 Minuten, wenn man schon diesen Sommer mit dem Waschbrett rechnen will. Es ist, betont Heimlich, eins sanfter Weg der Muskelbildung, der dich vor Verletzungen weitgehend schützt. Ein Vorteil der reinen Konzentration auf den Bauch sei zudem, dass die Übungen tatsächlich täglich machbar sind. Ein Bauch braucht, sagt der Fachmann, nur einen Tag, um sich vom Vortag zu erholen. Der Rest sind Beharrlichkeit und Disziplin.

Die Etappen zum Six-Pack. Angenommen, Sie haben sich entschlossen. Für das Waschbrett, gegen Alkohol und inneren Schweinehund. Respekt. Das Hindernis Nummer eins ist aber doch immer der Faktor Zeit. Die folgende Aufschlüsselung in sechs Etappen sollte die einschlägige Gefahr minimieren.

1. Der Start. Die Entscheidung, dass das Six-Pack einen gewissen Sinn hat. Das Krügel Bier und der Zucker im Kaffee sind Schnee von gestern.

2. Nach drei Tagen erfolgt ein Effekt, den man gemeinhin Muskelkater nennt. Da dies keine Verletzung ist, gibt es keinen Grund zur mehrtägigen Pause, wie verlockend die auch sein mag, zumal die Lebenslust am dritten Tag auf den Tiefpunkt sinkt. Kopf hoch!

3. Nach 14 Tagen: Auftritt einer ebenso angenehmen wie trügerischen Euphorie, hervorgerufen durch Endorphine, die dem Körper suggerieren, dass es ihm besser geht, als es eigentlich der Fall ist. Keinesfalls darauf abfahren, weil sonst der nächste Tiefpunkt schwieriger zu bewältigen ist.

4. Nach einem Monat entwickelt sich endlich ein relativ konstantes Feeling, das Ms. Heimlich „Wohlbehagen“ nennt. Das Schlimmste liegt hinter uns.

5. Sechs Wochen sind vergangen und noch immer nicht die Spur eines gewachsenen Muskels unter der – zugegeben- reduzierten Unterhaut – Fettschicht. Ihre Geduld und Ihr Glaube ans Werk werden auf die Probe gestellt. Lassen Sie sich nicht unterkriegen!

6. Zwei Monate sind um, das Six-Pack nicht. Um sich noch Chancen einzuräumen, werden die Übungen zweimal die Woche durch Konditionssport aufgepeppt: Laufen, Bergsteigen, Schwimmen, was immer mit Ausdauer zu tun hat. Voilà !

7.Weitere 20 bis 30 Tage später: Heureka! Mehr gibt es nicht zu sagen.

Soweit die Theorie. Was meine Praxis anlangt, wird es mit dem Six-Pack leider nichts. Mangelnde Disziplin im Wesentlichen. Zudem ist es laut Trainer Heimlich so, dass ein Übungszeitraum von mindestens einem Halbjahr an sich realistischer ist. Nicht auszuschließen überdies, dass Heimlich insgeheim damit spekuliert, dass man ab Etappe vier – der Entdeckung des Wohlbehagens – ohnehin voll auf dem Fitnesstrip ist und nicht mehr aufhören will, egal, ob Six-Pack oder nicht.

Der Hauch eines Zweifels sei hier gestattet. Es ist nämlich so, dass Menschen vom Schlage Heimlichs ständig happy sind und so was kann auf die Dauer ganz schön nerven.

Dennoch gehe ich seit neuesten ständig ins Studio und mit dem Waschbrett hat das an sich nichts zu tun. Vielmehr ist es eine einfache Rechnung auf Basis einer Heimlich-Story. Als er mit dem Fitnessbusiness begann, erzählte er mir, bestand die Kundschaft zu 99% aus Männern. Heute sind es zu 80% Frauen, zum Großteil jung, sportlich und dynamisch. Ich nehme an, Sie verstehen.

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Fitnessclub Heimlich – Bewegung ist Leben

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